Aerob oder anaerob?

Gegenüberstellung aerob-anaerob

Die im Titel gestellte Frage begegnet mir sehr häufig und ich reagiere meist mit der Gegenfrage: Was willst Du denn erreichen? Training ruft im Körper spezifische Reaktionen hervor, die nach der entsprechenden Erholungsphase zu einer Verbesserung im gewählten Bereich führen sollten. Immer wieder höre ich auch, dass aerobes Training und im Extremfall das Ziel Marathon gewählt werden.

Marathon erfordert eine sehr spezielle Fitness im Ausdauerbereich. Diese wiederum ist nur mit der entsprechenden Zeitinvestition möglich, wodurch wiederum Zeit für andere mindestens ebenso wertvolle Trainingsformen verloren geht. In gewisser Weise geht es doch auch um den ROI: den Return on Investment. Was bekomme ich für die von mir investierte Zeit zurück? Eine Marathonzeit? Freiheit von Rückenschmerzen? Hohe Lebensqualität u.a. durch Abwesenheit von Krankheit? Laufen und Ausdauertraining ist auf eine gewisse Weise sehr bequem: ich brauche mir keine großen Gedanken darüber machen, wie ich mich bewegen soll, ich springe einfach in meine Laufklamotten und renne los. Sicher, frische Luft, vielleicht sogar Natur, Sonne, Zeit für sich, alles prima, keine Frage. Aber diese aktive Form der Bequemlichkeit hat nicht immer die Folgen, die sich reine Ausdauersportler so wünschen. Die erreichte Fitness kann nur einseitig sein, da meist nur einseitig trainiert wurde. Selbst wenn noch Radfahren und Schwimmen dazu kommt, wird immer noch eins (das aerobe bzw. oxidative) von mindestens drei Energiesystemen einseitig belastet. Koordinativ können die Bewegungsformen natürlich gerade bei langer Beanspruchungszeit recht anspruchvoll sein – aber im Vergleich zum Potential des Körpers ist das immer noch zu wenig! Aber hier soll es ja erstmal um die Gegenüberstellung von aerob und anaerob gehen.

Die kleine Tabelle veranschaulicht die Vorteile aeroben und anaeroben Trainings (mehr Infos u.a. hier). Es geht mir mit diesem kleinen Artikel weniger um ein entweder-oder als ein sowohl als auch. Denn alltagstaugliche, lebenslange Fitness und körperliche Gesundheit sind von einer möglichst gleichmäßigen und dennoch ständig wechselnden Beanspruchung (sonst wird es auch einfach langweilig!) aller dem Körper zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und Energiesysteme abhängig. Zudem benötigt anaerobes Training eine aerobe Basis (Anfänger und Übergewichtige sind schon bei wenig Bewegung schnell im anaeroben Bereich), selbstverständlich fängt man also immer klein und leicht an. Mir ist vollkommen bewusst, dass dies das Gegenteil von dem ist, was moderner Leistungssport und die Medienwelt vermitteln. Diese sind nach außen beherrscht von Spezialisten, wobei es sehr wahrscheinlich ist, dass die Besten sich umfassend vorbereiten und nur innerhalb der Wettkampfzeit auf ihre Disziplin konzentrieren. Es entspricht auch nicht der Meinung diverser Fachmagazine und wird auch nicht immer an den Universitäten vermittelt, aber die Erfahrungen der Trainer und Athleten traditioneller Bewegungsformen und deren eindrucksvollen, umfassend fitten Körperstaturen zeigen, dass körperliche und medienwirksame Spezialisierung nicht unbedingt gut für die Athleten sind. Training und Bewegung muss auf allen Ebenen in allen erdenklichen Facetten abwechlsungsreich sein. Das gilt für den Wieder-Einsteiger ebenso wie für den Top-Athleten, wenn auch auf anderen Ebenen.

Für alle gesunden Menschen gilt: wer Erfolg haben in will in Sachen Fitness, seien es nun Muskelaufbau, Kraft, Ausdauer oder Gewichtsabnahme MUSS sich abwechslungsreich und damit auch anaerob und intensiv bewegen. Jede einseitige Bewegung kann zwar kurzfristig zu den gewünschten Resultaten führen, wird jedoch mittel bis langfristig bei Anpassung des Körpers und Stagnation der Ergebnisse, Langeweile und Einstellung des Trainings enden. Mit anderen Worten: es geht auch immer um die Einstellung zu Bewegung, Ernährung und Regeneration, also um den Lebensstil. Das macht es natürlich auch so schwer, Ergebnisse und Trainingsprogramme zu pauschalisieren, zu vergleichen oder einfach von anderen zu übernehmen. Was für den einen gut ist, kann für den anderen zu gegenteiligen Ergebnissen führen.

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Lars

Leidenschaftlicher Bewegungspraktiker und begeistert von den Möglichkeiten des Internets für Fortbildung und Marketing. Ich liebe meine Familie, Wasserball spielen, Katamaran segeln, Lesen und Espresso.